Ausführliche Biografie II

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Er ist vollkommener Autodidakt, er sträubt sich anfangs dagegen, allein aus einer Unruhe heraus und ohne regelrechten Akademiebesuch zu malen, aber er kann nicht mehr anders, er muss malen. So entstehen dunkelfarbige Bilder, schwermütig, ganz auf die Farbe gestellt und ganz ursprünglich, und alles schon dahin zielend, mit möglichst einfachen Mittel zu gestalten. Erikdsun liebt eine starke Farbigkeit, die sich dennoch nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich immer verhalten gibt. Er schafft alle Bilder aus seiner Phantasie heraus: Landschaften, die der Erinnerung des heimatlichen Landes und der nordischen Wälder geweiht sind, Stadtlandschaften, mit jener sonderbaren harten magischen Stimmung wie sie nur über den Städten der Technik liegt. 1930 hängt zum ersten Mal ein Bild von ihm in einer Ausstellung; es ist die Herbstausstellung der Preußischen Akademie.
Nun geht es unaufhaltsam vorwärts. Immer mehr konzentriert sich seine Farblichkeit auf das Wesentliche, sie wird zum symbolhaft gesteigerten Ausdruck, zur visionären Glut einer malerischen Inbrunst wie sie Eriksdun, der sich erst sehr spät entschloss Museen aufzusuchen, plötzlich in den Bildern der großen nordischen Maler wiederentdeckt: Munch, Nolde; das sind Naturen, in denen er innerlichst verwandtschafliche Züge entdeckt. Von einer Landschaft Noldes gepackt, besucht er eines Tages den in Berlin weilenden Maler und ist erstaunt, vor einem reifen Meister zu stehen, den er bis dahin für einen Gleichaltrigen gehalten hatte. So sehr hatte sich Eriksdun aller akademischen Schulung ferngehalten, dass ihm ein Mann wie Nolde ein gänzlich aus dem spontanen kommenden Erlebnis sein konnte. Seit der Zeit verbindet ihn mit diesem großen Meister ein Band aufrichtiger Kameradschaft. Er schafft unermüdlich weiter. Seine Bilder wachsen einer großen Geschlossenheit im Aufbau wie im Farblichen zu. Und immer zwingen ihn jene beiden landschaftlichen Räume zur Gestaltung, in denen die ersten entscheidenden Eindrücke gewonnen wurden: das norddeutsche und nordländische Land mit der unendlichen Einfachheit seiner Konturen, mit der Weite der Seen und der Stille der Wälder und dann die Stadt, die der Industrie, die der Technik, die Stadt als Ausdruck einer um die Herrschaft über die Technik ringenden modernen Nation.
Und so sind seine Bilder.
Ein Kanal am Rande der Stadt; seine Flut ist ein dunkles magisches Blau, man spürt, dass er an vielen Fabriken vorüberfließt, an seinem Ufer eine Reihe von Bäumen, wie flammende Wirbel in der rauchigen Luft stehend, im Hintergrund aber die dunkle unheimliche Farbenglut eines kreisenden Sonnenballs, der etwas Verweltlichtes ahnen lässt, die Zwischenstimmung zwischen Untergang oder Aufgang, wie das Symbol einer unerhörten Zeitwende über dem Wasser des Stroms rotieren.
Oder eine weite Industrielandschaft: ein gefährlich gelber Himmel spannt sich über gewaltige Schornsteine, aus denen blutroter Qualm schlägt. Von einem Sturm in gespannter Ballung dahingefegt. Am Horizont aber kreist die Farbenglut einer großen Sonne. Liegt in den Industrielandschaften immer eine große Erregung sind sie vom magischen Rhythmus eines technischen Jahrhunderts bis in den geballten Qualm der Fabrikschlote erfüllt, so vermag Eriksdun auf der anderen Seite Landschaften zu gestalten, über denen eine tiefe Ruhe liegt, die dennoch weit entfernt ist von jeder idyllischen Zufriedenheitsstimmung, wohl aber erfüllt von jener inneren Vitalität, mit der der norddeutsche Mensch die Landschaft erlebt.
Er malt einen mecklenburgischen See, umrahmt von Wäldern. Aber die Bäume im Vordergrund sind wie kreisende Farbenbündel, mit dem tiefen Blau des Sees atmet man unermessliche Beruhigung ein, die dennoch lebhaft ins weite ausgereift, da die blaue Farbe bis an den oberen Bildrand geführt wird, wo sie durch nichts als eben den Bildrand begrenzt wird und wodurch die Weite des Sees ins Unbegrenzte zu schwingen scheint. Das Motiv eines einfachen mecklenburgischen Sees wird so gesteigert zum Eindruck eines leuchtenden Meeres, von dessen Bläue sich ein weißes Segel kraftvoll absetzt. Eriksdun versteht es, jeden landschaftlichen Eindruck einer so starken Vereinfachung der Farbe wie der Farbflächen entgegen zu führen, dass die heroischen oder monumentalen Grundmaße der Landschaft aufgedeckt werden. So hat er auch bei seinem einjährigen Aufenthalt im Süden als Reichsstipendiat der deutschen Akademie in Rom die südliche Landschaft gesehen. Zwar hat sich seine Farbskala aufgehellt, aber der Drang, die Landschaft man möchte sagen in ihrer mythischen Grundstruktur aufzuzeigen, ist der gleiche geblieben. Auch seine Südlandschaften von Italien und Griechenland sind mit der typisch nordländischen Vitalität gemalt, die immer die symbolhafte Steigerung des malerischen Erlebnisses erstrebt. Auch im Süden ist Eriksdun die Farbe das unmittelbare künstlerische Ausdrucksmittel geblieben und er hat seine nordische und gegen den westlichen Impressionismus gerichtete Weltanschauung dort unten nur bestätigt gefunden. 
So spiegelt sich im Werk dieses jungen Malers der Wille der jungen deutschen Generation, aus dem eigenen Wesen heraus und mit den Stilmitteln des 20. Jahrhunderts sich die Formulierung des deutschen Weltgefühles zu erkämpfen. So sehen wir in Eriksdun eine vorkämpferische Natur, die im Elementaren lebt, und deren Werke die Prägung eines elementaren und in der Farbenglut der Ausdruckskraft typisch norddeutschen Lebensgefühles tragen.

von Günther Mann

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