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Das Werk eines norddeutschen Malers.
Friedrich Rudolf Eriksdun
In allen Landschaften und Städten des Reiches kann man beobachten, dass es die junge Malergeneration ist, die im Gestaltungsraum der deutschen Kunst die lebendigsten Werke
aufweist zum Aufbau einer neuen völkischen und dem Geist des 20. Jahrhunderts verhafteten Kunst. Es ist höchst interessant zu verfolgen, wie diese etwa von 1900 - 1910 Geborenen sich mit der letzten großen deutschen Malerei, der Malerei des germanisch nordischen Expressionismus, innerlich und schöpferisch auseinandergesetzt haben, um dann mit der gleichen seelischen Schwungkraft und der gleichen vorwärtsgreifenden Vitalität, die alle völkisch eigenwüchsigen Zeiten der deutschen Malerei kennzeichnet, zu neuen Gestaltungen in Form und Farbe aufzubrechen.
Einer von diesen jungen Malern, die etwa im Werk eines Munch und Nolde den Durchbruch zum germanischen Wesen, die malerische Formulierung der nordisch tragischen Weltsicht erlebten, um dann am Aufbauwerk einer eindeutig germanischen Malerei eigenlebendig und selbständig weiterzuarbeiten. Einer von diesen ist der Westfale Friedrich Rudolf Eriksdun.
Kaum aus dem Süden, wo er als Reichsstipendiat der Deutschen Akademie in Rom im vergangenen Jahre weilte, nach Berlin zurückgekehrt, gründete er die Künstlerkameradschaft 1934, stellte er mit noch zwei anderen aus und stand neben der Ausstellung " Der Norden ", an der gleichfalls nur Maler der modernen völkischen und jungen Generation beteiligt waren, im Mittelpunkt des kulturpolitischen Lebens der Reichshauptstadt.
Auffallend an allen Bildern Eriksduns ist die äußerst beschwingte und dennoch disziplinierte Vitalität, die Erbgut jener Landschaft ist, der Eriksdun entstammt. Es ist das westfälische Land, jener alte germanische Kulturstrich um den Teutoburger Wald, das Dorf Niederwestfalen im Kreis Minden, das nicht nur im biologischen, sondern auch im geistig künstlerischen Sinn die Heimat dieses nordischen Malers ist.
Bauern auf Westfalener: seine Vorfahren. Die Kindheit verlebt er auf Dörfern und Gehöften inmitten einer sagenumwobenen Landschaft, in der noch das Spöckenkiekertum lebt. Irgendwie seltsame Menschen, Schäfer mit dem sechsten Sinn begabt, sie sind es, die die Fantasie des Knaben beschäftigen. Etwas Peer Gyntsches treibt schon früh in seinem Wesen, und mit einigen Schulkameraden streift er auf Wanderungen durch den Teutoburger Wald und die Weserlandschaft. Die Uhlenfluchtstimmung, die über düsterer Waldeinsamkeit, über verlassenen Mooren liegt, ist von erregender Stärke. Hier wird ihm zum ersten Mal die Landschaft zum inneren Erlebnis. Aber noch weiß er damit nichts anzufangen, wie ein Landstreicher zieht er auf abenteuerlichen Fahrten durch seine Heimat, er atmet die Luft eines romantischen Lebensgefühles. Älter geworden kommt er auf das Gymnasium nach Bielefeld. Und von hier aus lernt er ein ganz Neues kennen, das für seine spätere künstlerische Entwicklung von größtem Einfluss ist; es ist die deutsche Industrielandschaft, das Ruhrgebiet.
Hier verbringt er entscheidende Jahre. Dem Rauch und Feuer der Essen ist die Uhlenfluchtstimmung gewichen, der Beruf bringt ihn mit den Kumpels der Industrielandschaft zusammen, das Erlebnis der Technik und eines technischen Menschenlagers zeigt ihm die schöne Härte des 20. Jahrhunderts auf.
Die Liebe zur Nation verbindet ihn mit den Aktivisten des Ruhrkampfes, in dessen Verlauf er von den Franzosen verhaftet wird. Innere Unruhe treibt ihn auf Reisen durch Frankreich, Holland, Belgien. Hier lernt er die romanisch westliche Kultur kennen und ablehnen. Er ist eindeutig nordischer Typ, er beantwortet das Erlebnis der westlichen Kultur damit, dass er in den Norden reist, nach Finnland. Und hier geschieht es, dass er zur Kunst vorstößt. Hatte er schon als Gymnasiast auf seinen Wanderungen manchmal zu Zeichenstift und Pinsel gegriffen, so wird sich Eriksdun hier oben erst bewusst, dass es gilt, die ihm eingeborene und in Finnlands Wäldern bestätigt erhaltene nordische Weltanschauung zu formulieren. Hier oben wird es ihm klar, dass der Höhepunkt der deutschen Literatur in der Vergangenheit liegt, dass die Formulierung des deutschen Weltgefühles in der Musik nicht mehr zu übersteigern ist, dass es jedoch in der Malerei gilt, die Fesseln des westlichen Impressionismus abzuschütteln und zu eigener volkhafter Gestaltung vorzustoßen. Nach seiner Überzeugung ist die deutsche Weltanschauung in der Malerei noch nicht genügend scharf formuliert worden und hier empfindet er den inneren Auftrag; die unruhig strömende Gefühlswelt nicht verschwimmen zu lassen, sondern sie klaren Gestaltungen zuzuführen. Mit der ganzen Vitalität, die einem geborenen kämpferischen Typ zur Verfügung steht, wirft sich Eriksdun auf seine neue Aufgabe. Nach Berlin zurückgekehrt, trägt er sich in die juristische Fakultät ein, schlägt sich als Werkstudent durch, und malt.
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