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Auszug aus einem Programm anlässlich einer Ausstellung im Jahr 1970
in der Münchner Galerie Interkunst
Vor genau zwei Jahren wurde der französische Impressionist FERNAND PIET (1869-1942) in der »Galerie Interkunst« zum ersten Mal mit einer Kollektiv-Schau der
Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung war nicht zuletzt auch deshalb ein Ereignis, weil dieser große Maler damit der allgemeinen Vergessenheit entrissen und buchstäblich neu entdeckt wurde.
Im Juni 1969 folgte in derselben Galerie eine Ausstellung von Handzeichnungen PIETS, die seinen Rang dokumentarisch unterstrich. Inzwischen sind sehr viele seiner Bilder in Münchner Privatbesitz übergegangen. Bilder, die im Gegensatz zu den bisher gezeigten figurativen Themen PIET als Landschaftsmaler
kennen lernen lassen.

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Da sie von seinem Schaffen nicht Zu trennen sind und das Interesse an ihm nur gestiegen
ist, haben sich die Privatsammler dazu bereit gefunden, mit der jetzigen Ausstellung den überblick auf das Gesamtwerk PIET abzurunden. Vorzüglich sind dabei Landschaften aus der Bretagne zu sehen, und wenn der Maler die
Kleinstadtidylle mit einbezog, folgte er seiner Pariser Neigung, auch Stadtlandschaften -malerische Winkel, Faubourgs und Vorstadtbezirke festzuhalten. Es ist
die Welt der kleinen Leute, das stille Treiben eines friedvollen Daseins, das er mit Vorliebe schildert. .., besonders aber hat ihn dabei das
Wäscherinnen-Motiv angezogen. Da war jedoch nicht nur das Malerauge von den Farbakzenten fasziniert. Die gebeugten Rücken waschender Mädchen und Frauen, teils allein, teils in Gruppen, müssen ihn auch innerlich berührt haben, und ihr ewiges Mühen hat er
gewiss als Gleichnis des einfachen Lebens empfunden. Er ist ja auch selber, obwohl sehr vermögend, eine ökonomische Natur gewesen, und er hat im Gegensatz zu seinem Freund Henri de Toulouse-Lautrec, der sich
bewusst ruinierte alle Kraft auf sein Schaffen konzentriert. Nicht zu übersehen in dieser Ausstellung ist auch die Häufigkeit kleiner Formate, die kostbare Zeugnisse seines Malertemperamentes sind. Wenn er nicht mit der Staffelei unterwegs war, trug er zum Faltstühlchen einen Malkasten mit sich, in dessen Innendeckel ein Malkarton war
die beendete, farbfrische Studie ließ sich im Kasten wohlbehütet nach
Hause tragen. Das wurde damals, als in der Malerei die Natur noch alles galt, ganz allgemein praktiziert; und so findet sich dieses Malkastenkleinformat im Werk aller Impressionisten. Erstaunlich bleibt, zu welcher Vollendung PIET dabei fand. Die Lebendigkeit der Studie »Bretonischer Markt« etwa, ist von magistraler Sicherheit in Zeichnung und Kolorit. .., die farbige Pointierung und rapide Erfassung der Szene »Am Strand« wiederum lassen uns
ein Erlebnis des Malers teilhaben, so intensiv, dass man vermeint, dicht bei ihm zu
sein, ihm über die Schulter blicken zu können. Viele ähnliche Zeugnisse wären aufzuführen, und PIET selber hat um den Wert solcher » Wunder des Augenblicks« genug
gewusst, um sich davor zu hüten, das und jenes »fertig« zu malen. Damit offenbart sich eine Kardinaltugend der großen Meister des französischen Impressionismus, die überdies zum Geheimnis ihrer Substanz zu rechnen ist. Wohl haben sie so manches Werk immer wieder vorgenommen, es bis ins letzte durchgearbeitet aber anderen teils besaßen sie auch die Hellsichtigkeit, Geglücktes einer 'glücklichen Stunde zu belassen,
unwiederholbar Fragmentarisches über pedantisch Abschließendes zu stellen.
Das war kein »Programm«. Das waren einfach Manifestationen einer
seitdem nicht mehr existenten »bonne peinture« -gepflegt von einem
Malerkreis, dem FERNAND PIET zu Lebzeiten angehörte und dem
sein Gesamtwerk beizuordnen ist.
Anton Sailer
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